
Berliner Kabarettisten provozieren Publikum / Veranstaltungsidee geht in Serie
- Von KATHRIN PUTZBACH-TIMM
Casekow. „Die Lage der Nation ist sehr gut ... Jedenfalls ist die Lage der Nation besser als zum Eisenacher Kongress 1869." So lauten die ersten Sätze des Schauspielers Edgar Külow am vergangenen Freitagabend beim Kabarettabend im Casekower Dorfanger.
Zuvor hat sein Mitstreiter Reinhold Andert geschildert, wie die Lage der Nation heute aussähe, hätte sich das Blatt im Geschichtsbuch zur anderen Seite gewendet und den Westdeutsehen zum neuen DDR-Bürger gemacht. Damit haben das Urgestein des ostdeutschen Kabaretts und der Liedermacher die ersten Lacher provoziert und das Publikum in ihren Bann geschlagen.
„Die Lage der Nation" betiteln die beiden auch ihr Programm. Der 82-jährige Hüne und sein um 19 Jahre jüngerer Kollege und langjähriger Freund erklären den Zuschauern die Nation aus zwei Blickwinkeln. Reinhold Andert übernimmt dabei den Part des Ossis und trägt musikalisch Altlasten ab. Külow mimt als Willi Koslowski den Wessi, der Gegenwart und Zukunft betrachtet. Willi Koslowski, Rentner aus dem Ruhrpott, Mitglied im Tauben- und Kaninchenzüchterverein und der SPD sowie Fan von Wattenscheid 09, erklärt sich schnell aus den westfälischen Wurzeln von Edgar Külow. Allerdings wurde er bereits in den 50er Jahren „prophylaktisch als Aufbauhelfer in den Osten geschickt", so Andert und war unter Ulbricht Direktor der Leipziger Pfeffermühle.
Die Mehrheit der rund 80 Gäste, unter ihnen Alfred Berndt, kennt ihn aus Fernsehfilmrollen wie in der „Märkischen Chronik" oder erinnert sich an seine Mitwirkung im Ensemble der Berliner Distel. „Der Name Külow ist Begriff und Programm'`, meint Berndt. Fast andächtige Stille herrscht, als Reinhold Andert das Lied über den Wagen des Volkes, den „Trabi", interpretiert. Seine Profession als Historiker und Philosoph schimmert mehrfach durch in Stücken wie „Der letzte Gang des Thomas Müntzer" oder „Der falsche Kaiser". Fast liebevoll ist der Schlagabtausch mit dem sich die beiden Künstler die Pointen zuspielen. Begeistert ist der Applaus, als sich die Berliner nach fast zwei Stunden und drei Zugaben verabschieden.
Der Kabarettabend war die Premiere des „Verrückten Freitags", eine Idee, die in Serie gehen soll. Sie soll Publikum aus Casekow und Umgebung anlocken, hat Tino Kisicki im Sinn, der die Dorfkneipe im Dezember 2005 übernahm.